Von der Rennpiste auf die Straße: Immer mehr Autohersteller bringen Modelle mit Rennsport-DNA auf den Markt. Die limitierten Serien sollen vor allem Rennsport-Fans locken.
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Zu schnell für die Straße

Von der Rennpiste auf die Straße: Immer mehr Autohersteller bringen Modelle mit Rennsport-DNA auf den Markt. Die limitierten Serien sollen vor allem Rennsport-Fans locken – fast alle Rennwagen, die hier zum Vorbild wurden, haben Siege beim traditionsreichen Langstreckenrennen von Le Mans eingefahren.

Dirk Kunde

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Für die Zulassung auf der Straße haben die Ingenieure nur das Nötigste angepasst, Geschwindigkeiten jenseits der 300 km/h-Marke sind also weiterhin problemlos möglich. Doch eigentlich sind diese Autos eher zum entspannten Cruisen gedacht – man will sich ja zeigen mit dem einzigartigen Wagen. Einem baugleichen Modell zu begegnen ist dank Stückzahlbegrenzung höchst unwahrscheinlich.

Aston Martin Vantage GT12

Den Aston Martin kennt man vor allem als Dienstfahrzeug des berühmtesten Agenten der Welt: James Bond. Doch die Briten bauen schnelle Autos auch ohne Heckkanone und drehende Nummernschilder. Dieses Modell sollte ursprünglich denselben Namen tragen wie die Fahrzeugkategorie bei den Langstreckenrennen: GT3. Doch Porsche besitzt die Namensrechte und widersprach. Also übernahmen die Briten die Zylinderzahl in die Typenbezeichnung.

Gerade mal 100 Stück rollten als Vantage GT12 aus den Produktionshallen im englischen Gaydon. Der Wagen liegt tiefer und ist breiter als seine Verwandten aus der Vantage-Familie. Dank diverser Bauteile aus Kohlefaser und einem Polycarbonat-Heckfenster wiegt der Wagen 1565 Kilogramm, 100 Kilogramm weniger als der Vantage S. Der Sechs-Liter-Motor mit 600 PS beschleunigt den GT12 bis auf 330 km/h. In unserer Übersicht ist das zusammen mit dem McLaren 650S der Spitzenwert – und auch beim Preis liegt der Vantage GT12 an der Spitze.

  • Stückzahl: 100
  • Motor/Leistung: 6,0 Liter V12, 600 PS
  • 0 auf 100 km/h: 3,5 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
  • Preis: 350.000 Euro

Audi R8 V10 plus Coupé

Beim traditionsreichen Rennen von Le Mans ist Audi erst seit dem Jahr 2000 am Start, doch konnte der deutsche Hersteller bereits 13 Siege einfahren. Die Erfahrungen, die Audis Ingenieure bei den Langstreckenrennen sammelten, finden ihren Widerhall im Audi R8 V10 plus Coupé. Die Stückzahl ist offiziell zwar nicht limitiert, doch allein die Tatsache, dass der Wagen in Handarbeit entsteht, spricht dafür, dass man nicht allzu viele im Straßenverkehr sehen wird.

Der V10-Mittelmotor ist unter der Heckscheibe sichtbar, auf Wunsch beleuchtet. Das Front-Laserlicht strahlt bis zu 600 Meter weit, was bei hohem Tempo für mehr Sicherheit sorgt. Sämtliche Bedienelemente findet der Fahrer an seinem Lederlenkrad. So bleiben die Augen auf der Straße. Das 12,3 Zoll große LCD-Display hinter dem Lenkrad kann individuell angepasst werden.

  • Stückzahl: unlimitiert
  • Motor/Leistung: 5,2 Liter FSI quattro S tronic, 610 PS
  • 0 auf 100 km/h: 3,2 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
  • Preis: 187.400 Euro

Bentley Continental GT3-R

Die große Fahrt (Gran Turismo im Italienischen oder Grand Touring im Englischen) dürften Fahrer und Beifahrer im Bentley Continental am komfortabelsten absolvieren. Der GT3-R wirkt im Vergleich zu den anderen Modellen eher bequem als sportlich. Alcantara und Leder bestimmen den Innenraum. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen: Mit seinen 580 PS kommt der Zweisitzer recht locker auf Geschwindigkeiten über 300 km/h.

Mit diesem Sondermodell erinnert Bentley an seine 95-jährige Renngeschichte. Bei den 24 Stunden von Le Mans waren die Briten insgesamt sechs Mal siegreich, unter anderem mit dem Bentley Speed 6 und Speed 8. Der Continental GT3-R hat selbst keine direkte Verbindung zu Le Mans, er startete bei der Pirelli World Challenge in Nordamerika, den ADAC GT Masters sowie der Blancpain GT Series mit Rennterminen in Europa. Anfang Juli und Mitte September 2016 macht diese Rennserie auf dem Nürburgring Station.

  • Stückzahl: 300
  • Motor/Leistung: 4,0 Liter V8, 580 PS
  • 0 auf 100 km/h: 3,7 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 304 km/h
  • Preis: 283.000 Euro

Ferrari 458 Speciale A

Das A steht für Aperta, also offen. Das Dach wird zwar mitgeliefert, aber dieser Spider sollte unbedingt offen gefahren werden. Der Heckmittelmotor ist mit 605 PS der leistungsstärkste V8-Saugmotor aus den Werkshallen in Maranello. Die Italiener sind stolz auf ihren Rekordwert von 135 PS pro Liter Hubraum Leistungsdichte – es ist der höchste Wert, den Ferrari jemals bei einem Saugmotor für ein Straßenfahrzeug erzielt hat. Auf der hauseigenen Rennstrecke in Fiorano erreichte der Zweisitzer eine Rundenbestzeit von 1:23,5 Minuten, ein Wert, den der Wagen vor allem seinen aktiven Aerodynamik-Elementen im Front- und Heckbereich verdankt. Der 458 holte Podiumsplätze in Le Mans, Daytona und bei den 12 Stunden von Sebring in Florida.

  • Stückzahl: 499
  • Motor/Leistung: V8-Saugmotor, 605 PS
  • 0 auf 100 km/h: 3,0 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 320 km/h
  • Preis: ca. 250.000 Euro

Ford GT

Ford feiert 2016 mit einer GT-Neuauflage den 50. Jahrestag seines großen Le-Mans-Triumphes. 1966 belegten drei Ford GT 40 die ersten drei Plätze beim 24 Stunden-Rennen in Frankreich. Für den US-Hersteller aus Dearborn in Michigan ist der Ford GT Auftakt einer Serie mit dem Titel „GT Heritage“. Bis 2020 sollen ein Dutzend dieser neuen alten Sportwagen-Modelle vom Band rollen, darunter der F-150 Raptor, Shelby GT350 und der Shelby GT350R.

Auch der Ford GT setzt auf Aluminium und leichte Kohlefaser-Bauteile bei der Karosserie. Der Sportwagen bekommt einen Zwillingsturbolader EcoBoost V6, gepaart mit einem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Die parallel geschaltete Kupplung minimiert Zugkraftunterbrechungen, wenn der Fahrer vom einen in den anderen Gang wechselt. Auch wenn sportliche Fahrer Knüppelschaltungen lieben, ist keiner schneller als die Lenkradwippe und der eingebaute Chip. Ford hat den Wagen bei der Detroit Auto Show bereits gezeigt, ein offizielles Preisschild gibt es noch nicht.

  • Stückzahl: 250
  • Motor / Leistung: 3,5-Liter EcoBoost V6, 600 PS
  • 0 auf 100 km/h: n.n.b
  • Höchstgeschwindigkeit: n.n.b.
  • Preis: -

Jaguar F-Type Project 7

Der britische Autohersteller ist zwar bei Langstreckenrennen nicht mehr aktiv. Dennoch nimmt das Project 7 Anleihen in Le Mans: Die Zahl steht für die sieben Siege, die Jaguar zwischen 1951 und 1990 beim 24-Stunden-Rennen errungen hat. Der F-Type Project 7 gilt als ein Enkel des Jaguar D-Type – mit diesem Wagen fuhr man allein in Le Mans drei Mal auf den ersten Platz. Ein Höcker hinter dem Fahrer erinnert auch optisch an den berühmten Vorgänger.

Der offene Zweisitzer ist das schnellste Auto im Portfolio der Briten. Der Supercharged V8-Motor mit 5,0 Liter Hubraum beschleunigt auf 300 km/h, dabei bewegt sich der Sportwagen dank Navi und Automatikgetriebe auch geschmeidig durch den Stadtverkehr. Auf offener Strecke dagegen wechselt der Fahrer mit den Lenkradwippen durch die acht Gänge, den Sicherheitsgurt tauscht man gegen Hosenträgergurte. Wenn man dann noch den Knopf zum Öffnen der Auspuffrohre drückt, fühlt und hört sich die Raubkatze wie ein richtiger Rennwagen an.

  • Stückzahl: 250
  • Motor / Leistung: 5,0 Liter V8 Supercharged, 575 PS
  • 0 auf 100 km/h: 3,9 Sek.
  • Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h
  • Preis: 155.000 Euro

McLaren 650S Le Mans

Zum 20. Jahrestag des Sieges in Le Mans brachte McLaren Special Operation im Jahr 2015 das Modell 650S Le Mans heraus. Stückzahl: 50. Ein echtes Objekt der Begierde für Sammler. McLaren nahm 1995 zum ersten Mal am Langstreckenrennen von Le Mans teil – und prompt landete ihr Wagen No. 59 McLaren F1 GTR auf dem ersten Platz der GT1-Klasse. Ein Sieg bei der ersten Rennteilnahme – diesen Rekord hält McLaren bis heute.

Im Jubiläumswagen bestimmen Alcantara und Leder den Innenraum, das Le-Mans-Logo ist in die Kopfstützen eingearbeitet. Bei der Gestaltung der Kleinserie half der britische Designer Peter Stevens, der auch für das Aussehen des McLaren F1 verantwortlich war. Besonders markant ist die Lufthutze auf dem Dach. Der 650 PS starke Motor beschleunigt den Wagen bis auf 330 km/h – zusammen mit dem Aston Martin Vantage GT 12 der Spitzenwert in unserer Übersicht.

  • Stückzahl: 50
  • Motor/Leistung: 3,8 Liter Twin Turbo V8, 650 PS
  • 0 auf 100 km/h: 3,0 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
  • Preis: 345.000 Euro

Porsche 911 GT3 RS

Kaum eine andere Automarke ist so eng mit dem Rennsport verbunden wie der Hersteller aus Stuttgart-Zuffenhausen. Und kaum jemand ist so erfolgreich: 17 Siege in Le Mans. Dabei betreibt Porsche auch Zukunftsforschung auf der französischen Rennstrecke. In der LMP-Klasse (Le Mans Prototypen) siegte das Team 2015 mit einem Porsche 919 Hybrid: Neben einem Verbrennungsmotor, der die Hinterräder antreibt, nutzte der Wagen zwei Energiegewinnungssysteme. Das eine wandelt Bewegungsenergie beim Bremsen in Strom um. Beim anderen treiben Abgase eine Turbine an, die ebenfalls Strom erzeugt.

Im Porsche 911 GT3 RS steckt die Erfahrung aus vielen Rennen der GT-Klasse. Mit 500 PS verfügt der Sportwagen über den leistungsstärksten Saugmotor im Programm des Herstellers. Zum limitierten 911er gibt es die passende Smartphone-App, mit der sein Fahrer Rundenzeiten, Strecken und weitere Fahrdaten aufzeichnen und auswerten kann.

  • Stückzahl: ca. 2000
  • Motor/Leistung: 4,0 Liter Sechs Zylinder Boxermotor, 500 PS
  • 0 auf 100 km/h: 3,3 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 310 km/h
  • Preis: 182.000 Euro

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