Mehr als nur Kulisse: In diesen Film-Hotels können Sie übernachten oder Ihre Lieblingsszenen nachspielen. Please, check in!
Promi-Quartiere

Übernachten wie die Stars

Man muss ja Ziele haben im Leben... Wenn es selbst nicht ganz für die Hollywoodkarriere gereicht hat, könnte man doch immerhin für eine Nacht in einem Hotel absteigen, das man aus dem Kino kennt: Schlafen in mondänen Herbergen, in denen gestern noch Scarlett Johansson oder Jack Nicholson ihre gesalbten Leiber zur Ruhe betteten – wir zeigen Ihnen, wo das möglich ist.

Lenz Koppelstätter

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Es gibt Filme, da erinnert man sich kaum mehr an die Handlung – an seine grandiosen Schauplätze aber sehr wohl. Besonders interessant wird das, wenn es sich dabei um spektakuläre Hotels handelt, wie in „Lost in Translation“ oder „Vicky Christina Barcelona“ – die kann man nämlich auch im richtigen Leben buchen und darin seine Lieblingsszenen nachspielen. Falls Sie in unserer Best-of-Liste einen modernen Klassiker vermissen sollten: Ausgerechnet „Grand Budapest Hotel“ wurde nicht in einer echten Luxusherberge gedreht, sondern in einem ehemaligen Jugendstil-Kaufhaus im sächsischen Görlitz. Das ist schade – aber bei den fünf Alternativen, die wir auf der ganzen Welt für Sie gefunden haben, locker zu verschmerzen. Please, check in!

Auf einen Whiskey mit Bill Murray

Lost in Translation im Park Hyatt, Tokio

Für „Lost in Translation“ erhielt Sofia Coppola 2004 einen Oscar für das beste Originaldrehbuch. Manchmal kann das Leben eben doch gerecht sein: Die Geschichte über die irritierende Verlorenheit zweier Amerikaner in Japan verfügt über stillen Witz und eine anrührende Melancholie, die nicht zuletzt von der perfekten Hotelkulisse des Park Hyatt Tokyo lebt, dem perfekten Mix aus schillernder Glamour-Absteige und futuristischem Aquarium.

Schön dabei, weil passend: Um überhaupt in den Hotelbereich zu gelangen, der sich in einem glitzernden Türme-Trio aus Glas versteckt, verliert man erst einmal die Bodenhaftung. Ein Expressaufzug führt direkt in die Lobby des Park Hyatts im 41. Stockwerk. Die Zimmer erinnern an transparente Leuchtkästen: An klaren Tagen ermöglichen die bodentiefen Fensterfronten Ausblicke bis zum Mount Fuji, dem zwei Autostunden entfernten Vulkan, der zugleich Wahrzeichen und höchster Berg des Landes ist.

In der „New York Bar“ im 52. Stock über den Dächern der japanischen Hauptstadt versickert die Hektik Tokios in einem surrealen Blauschimmer zu gedämpften Jazzklängen und teuren Drinks. Ein Ort mit hohem Wiedererkennungswert: In „Lost in Translation“ verdöst hier der mürrisch-matte Schauspieler Bob (Bill Murray) seinen Jetlag zwischen den Drehs für einen albernen Werbespot – und trifft zufällig auf die umwerfende Charlotte (Scarlett Johansson). So beginnt ein geistreicher Schlagabtausch zweier einsamer Seelen, ein funkelnder Theken-Poetry im Hotel. Selten brachte ein Film dieses flüchtige Gefühl der Großstadt-Melancholie besser zum Ausdruck als „Lost in Translation“ – und umso kostbarer ein Ort, an dem sich dieses Gefühl so leicht reproduzieren lässt, wie hoch in den Wolken der „New York Bar“.

Die Cocktails gehören zu den besten der Stadt, und wer von der Auswahl überfordert ist, bestellt einfach „das was Bill Murray bestellt hat“.  So weiß der Barmann Bescheid und greift zum siebzehn Jahre im Fass gereiften japanischen Hibiki-Whisky. Wer es anschließend noch bei vollem Bewusstsein ins Hotelbett schafft: Unbedingt den Soundtrack zum Film aufdrehen – mit den sehnsüchtigen Klängen von „Death in Vegas“ oder „My Bloody Valentine“– und von Scarlett träumen.

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Mit Julia Roberts am Roulettetisch

Ocean’s Eleven im Bellagio, Las Vegas

Was für ein gewaltiger Moment! Schon der erste Blick auf das Bellagio flasht wie ein Flutlichtwerfer auf eine uneinnehmbare Festung. Und wenn dann noch das Ensemble der Springbrunnen vor dem Hotel – von 4.500 Scheinwerfern beleuchtet – sein farbiges Wasserballett aufführt, scheint die Zeit für einen Moment still zu stehen. Nur George Clooney alias Danny Ocean war das farbenfrohe Schauspiel im ersten Teil seiner launigen Gauner-Trilogie „Oceans Eleven“ egal. Ihm gings bloß ums Geld – und darum, am Ende zu Julia Roberts nach Hause zu kommen...

Trotz spektakulärer Neubauten in den vergangenen Jahren: Das 36-stöckige Bellagio mit seinen knapp 4.000 Zimmern zählt weiterhin zu den eleganteren Hotels in Las Vegas. Zur Anlage gehören ein Botanischer Garten, um den sich mehr als 140 Gärtner kümmern, die ambitionierteste Poolanlage der Stadt, die sich über fünf (!) Innenhöfe erstreckt, die Luxus-Ladenpassage „Via Bellagio“ so wie zwei sündteure Hochzeitskapellen. Der Film von Regisseur Steven Soderbergh spielt größtenteils im prunkvollen Casino des Hauses. Monumental auch hier die Ausstattung: 2.500 Automaten, 100 Spieltische. Auch im richtigen Leben  lässt sich hier die ein oder andere Hollywood-Größe sehen. Selten allerdings geht sie so reich beschenkt nach Hause wie Clooney.

Übrigens: Der 3,2 Hektar große künstliche See, der zum Hotel gehört, ist dem Comer See nachempfunden. Dort hat George Clooney tatsächlich immer noch eine Villa – auch wenn er die angeblich seit Jahren verkaufen will.

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Mit Vicky und Christina in Oviedo

Vicky Christina Barcelona in De La Reconquista, Oviedo

Kutschengeklapper, bestäubte Perücken? Nicht ganz. Trotzdem wirkt das altehrwürdige Hotel in Oviedo wie ein blaublütiger Rülpser in modernen Zeiten: Ein 250 Meter langer Teppich aus der königlichen Fabrik bedeckt den Boden der Eingangshalle. In den Zimmern barocke Stuckfassaden und feinster Zwirn – und dazu dieser Name... De La Reconquista. Die Zurückeroberung! Kein Wunder, dass der respektlose Schalk Woody Allen Gefallen daran fand, seine jungen Nymphen 2008 in ,„Vicky Christina Barcelona“ ausgerechnet hier in frivole Abenteuer zu verstricken.

Das De La Reconquista in der Region Asturien im Norden Spaniens, wurde 1752 erbaut und gehört damit zu den traditionsreichsten Hotels Spaniens. Das perfekte Ambiente also für die erotischen Ausschweifungen von Javier Bardem mit Scarlett Johansson und Rebecca Hall. (Später im Film kommt auch Penelope Cruz dazu, doch da hat man die edle Unterkunft schon wieder verlassen...)

Das De La Reconquista liegt am Park San Francisco, wo Oviedos Altstadt und die geschäftige City aufeinandertreffen. Zwei Jahrhunderte lang wurde es als Hospiz und Kinderheim genutzt, eine vom Architekten Ventura Rodríguez entworfene Kapelle mit achteckigem Grundriss zeugt noch heute davon. Erst in den 1970er-Jahren wurde es zum Luxushotel umgebaut.

Als Schmuckstücke des ehrwürdigen Hauses gelten zwei Suiten auf weitläufigen 80 Quadratmetern, darin Mobiliar aus Edelholz und, klar:  Marmorbäder. An den Wänden Werke berühmter asturischer Maler wie Mariano Moré, Purón Sotres, Adolfo Bartolomé und Vaquero Palacio. Kein Wunder, dass auch die Königsfamilie im De La Reconquista nächtigt, wenn sie in der Stadt weilt – selbst nach seiner schändlichen Säkularisierung durch Woody Allen.

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Wer hat Angst von Jack Nicholson?

Shining in der Timberline Lodge, Oregon

Eine Bleibe für starke Nerven. Im „Overlook“ verlor einst Jack Nicholson alias Jack Torrance den Verstand, der dazugehörige Film „Shining“, den Stanley Kubrick nach der Romanvorlage von Stephen King 1980 auf die Leinwand brachte, gilt als subtiler Meisterhorror: Ein Schriftsteller zieht mit seiner Frau und seinem Sohn im Winter in das verlassene Hotel, um dort in Ruhe einen Roman zu schreiben. Doch die Dinge laufen aus dem Ruder, mit diesem Hotel stimmt was nicht – und mit Jack Torrance bald auch nicht mehr.

In Wirklichkeit findet man den „Shining“-Schauplatz unter dem Namen Timberline Lodge – und die wurde am 28. September 1937 von US-Präsident Franklin D. Roosevelt eingeweiht, der aus diesem Anlass gemeinsam mit Gattin Eleanor nach Oregon gereist war. Die aus Holz und Naturstein errichtete Lodge liegt in 1.830 Metern Höhe am Mount Hood und ist heute denkmalgeschützt. Zahlreiche Details im Haus sind Schneekristallen nachempfunden: Säulen, Tische, Lampenschirme. Selbst das Hauptgebäude, von dem zwei dreistöckige Flügel abgehen, ist sechseckig. Mehrmals im Jahr finden Hochzeiten in der Lodge statt. Nur Zimmer Nummer 237 ist tabu. Dort lag im Film die unschöne Untote Mrs. Massey in der Badewanne, was möglicherweise zart besaitete Flitterwöchler nervös machen könnte  – jedenfalls ist Zimmer 237 nicht mehr buchbar.  

Im Sommer ist die Lodge in diesen Tagen ein beliebter Startpunkt für Wanderungen, auch im Winter ist es dort in Wirklichkeit alles andere als einsam. Vielmehr können Gäste das direkt anliegende Ski-Gebiet mit insgesamt neun Liftanlage und 41 Pisten nutzen – oder, wie einst Jack Nicholson, an der Bar Platz nehmen und eine Flasche Bourbon mit Eis bestellen. Der Barmann der Timberline Lodge ist garantiert echt. Aber Finger weg von der Axt.

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Heiß, heißer, Marilyn

Manche mögen’s heiß im Del Coronado, Kalifornien

Das Del Coronado am Strand der Bucht von San Diego ist ein Haus der Superlative: 1888 wurde als eines der ehemals größten Urlaubshotels gebaut, wenig später zudem als eines der ersten öffentlichen Unterkünfte überhaupt mit elektrischem Licht ausgestattet. Es heißt, Thomas Edison habe damals die Installation höchstpersönlich überprüft. Selbst der erste elektrisch beleuchtete Outdoor-Christbaum soll 1904 vor dem Hotel für Menschenaufläufe gesorgt haben. Und der Ballsaal mit seiner originellen Lichterkrone gilt als einer der schönsten der Welt.

Keine Überraschung also, dass das „Del“ (wie Kenner das Hotel nennen) auch Filmgeschichte gemacht hat: „Manche mögen’s heiß“ aus dem Jahr 1959 gilt für viele Filmkritiker als beste Komödie aller Zeiten. Wieder einer dieser Superlative für das Del Coronado. Aber halt – spielte der Film nicht in Chicago und Florida?

Richtig. Aber da Regisseur Billy Wilder das Del besser gefiel als sämtliche Hotels in Miami und Umgebung, wurden die Dreharbeiten einfach nach Kalifornien verlegt. Man kann es ihm nicht verübeln. Der Küstenabschnitt mit seinem 100 Kilometer langen feinen Sandstrand gehört zu den schönsten des ganzen Landes. Und damit der Film nicht in Vergessenheit gerät, finden täglich Führungen zur Hotelgeschichte statt, Anekdoten über die Dreharbeiten inklusive.

Die „Del“-Ehrentafel prominenter Gäste ist lang. US-Präsidenten nächtigten dort. Charles Lindbergh wurde hier nach seinem Transatlantikflug geehrt und der spätere britische König Eduard VIII. soll im Del Wallis Simpson getroffen haben, für die er schließlich aus Liebe auf den Thron verzichtete. Noch heute zählt das Del Coronado zu den luxuriösesten Häusern der amerikanischen Westküste – es ist eine der wenigen noch erhaltenen viktorianischen Strandherbergen und zugleich das größte Holzgebäude in Kalifornien. 668 Zimmer und 20 Suiten stehen zur Verfügung, die meisten im Haupthaus, dem Victorian Building. 1977 wurde die Lady unter Denkmalschutz gestellt.

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