Zu Besuch bei Deumer, einer exklusiven Manschettenknopf-Manufaktur in Lüdenscheid
Made in Germany

Die Manschettenknopf-Manufaktur

Die Firma Deumer fertigt in Lüdenscheid exklusive Manschettenknöpfe, aber auch Wappen für Porsche und die 737 des jordanischen Königs. Zu Besuch in einem besonderen Familienbetrieb

Volker Marquardt

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Es war die Titanic, die Johan Conze die Richtung zeigte. 74 Jahre nach ihrem Untergang barg eine Expedition aus 3800 Meter Tiefe mehr als 4000 Artefakte aus dem Schiffsrumpf, darunter zerbeulte Kronleuchter, Porzellan, Kristallflaschen, Silberbesteck, eine bronzene Schiffsglocke ­– und einen silbernen Manschettenknopf von Deumer. „Als ich ihn in einer Ausstellungs-Vitrine entdeckte, war mir klar, wohin die Reise gehen soll: Weg von der Massenproduktion, hin zu einer kleinen Gruppe von Menschen, die etwas sehr Langfristiges suchen“, erzählt Johan Conze (53), der zusammen mit seinem Bruder Friedrich Assmann (46) den Familienbetrieb in Lüdenscheid führt.

Bestseller? Die bayerische Raute

Zu ihren Kunden zählt heute – neben vielen anderen, über die sie nicht sprechen dürfen – der König von Jordanien. Zur Dekoration seiner Boeing 737 ließ Abdullah II über 90 königliche Embleme gießen. „Sehr prominent“, sagt Conze und zeigt einen Handteller. Auch Firmen wie De Sede oder Rolf Benz bestellen Plaketten für ihre Möbel und Porsche lässt Deckelwappen für die Classic-Serien in Lüdenscheid herstellen. Aber das heute mit Abstand wichtigste Produkt der Firma, die bei 25 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,3 Millionen Euro ausweist, sind Manschettenknöpfe.

„Weg von der Massenproduktion, hin zu einer kleinen Gruppe Menschen“

Die Palette reicht von einfachen linsenförmigen Silberlingen für Täuflinge über Modelle mit Steinen für 1000 Euro und mehr. Nach oben gibt es kaum Grenzen: 30 000 Euro kosteten etwa vier mit Saphiren besetzte Stücke für einen Kunden aus dem Nahen Osten. Besonders gefragt ist gerade ein ovaler Silberling mit der bayerischen Raute, den Deumer exklusiv für das Münchner Edelkaufhaus Lodenfrey herstellt. Zehn Exemplare verlassen pro Woche die Manufaktur. „Rund um das Oktoberfest können es auch mal mehr sein“, sagt Conze. Einen besonderen Service bietet die Manufaktur seit kurzem bei rund 30 Herrenschneidern an: Hier kann sich der Kunde bei der Anprobe aus je fünf Formen, Emaille-Farben und Steinen individuelle Manschettenknöpfe zusammenstellen – und diese dann zusammen mit seinem Anzug abholen.

Das Design klassisch, die Muster Art Déco

Die Preise für seine Manschettenknöpfe erklärt Conze, der selbst ein Replik des Models aus der Titanic-Ausstellung trägt, mit der aufwendigen Handarbeit und dem Material: „Bei uns sind Manschettenknöpfe keine Alltagsgegenstände, sondern Schmuckstücke.“ Funktionieren müssen sie natürlich trotzdem – und zwar auch noch nach Jahrzehnten. Daher nutzt Deumer keine Wippe, sondern wie um 1900 üblich ein einem Hemdknopf ähnliches Gegenstück mit starrem Steg. Laut Conze „unkaputtbar“ und einfacher in die Manschette einzuknöpfen. Schließlich zählt die Gestaltung. Hier gibt es die britische Tradition mit Motiven wie Angelruten, Fußbällen oder Flugzeugen. Das kommt für Conze nicht in Frage: „Wir machen auch keine Designs mit so vielen Steinen, dass einem der Arm abfällt.“ Stattdessen bleiben Deumer-Kunden immer klassisch: tagsüber dezent in Silber, abends dürfen es auch mal Gold und Steine sein. Einige wenige, dafür natürlich echt. Das Gros der Muster stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert, besonders aus dem Art Déco. Wie auch jener Manschettenknopf aus der Titanic-Ausstellung. Entdeckt haben er und sein Bruder die meisten Designs Mitte der 90er Jahre in Musterkisten im Stanzenlager. Dort lagert die Firma seit ihrer Gründung im Jahr 1863 die Prägewerkzeuge jedes Stücks, das die Manufaktur verlässt. „Das ist noch heute unsere Schatzkammer“, sagt Co-Geschäftsführer Assmann im Büro in einem Lüdenscheider Wohngebiet.

Fertigungskette in Handarbeit

Hergestellt werden die Manschettenknöpfe ein Stockwerk tiefer noch fast wie früher. In der Werkstatt sieht es gar nicht nach Luxus aus. Intensiv riecht es nach den Dämpfen der galvanischen Bäder, in denen die Manschettenknöpfe am Ende der 25 bis 30 Arbeitsgänge versiegelt werden. Am Anfang braucht jedes Motiv zwei Stanzen. Bevor diese die Rohlinge prägen, werden die Feinheiten per Hand mit Hammer, Stichel und Schaber herausgearbeitet.

„Bei uns sind Manschettenknöpfe keine Alltagsgegenstände, sondern Schmuckstücke“

„Hier wird die Stanze erst zum Leben erweckt“, sagt Assmann. Schließlich landet der Manschettenknopf auf der Werkbank des Polierers, der mit einer Schutzbrille ganz hinten in der Werkstatt sitzt. Ganz langsam führt er den winzigen Manschettenknopf immer wieder an eine Schleifmaschine aus Filz. Ein Fehler – und Silber und Edelsteine fliegen ihm um die Ohren und dann in den Abfall. Geht alles gut, landet der Rohling in einem galvanischen Bad, wo ihm eine zusätzliche Silberschicht verpasst wird. Reinigen sei dann laut Conze nicht mehr nötig: „Der beste Anlaufschutz ist regelmäßiges Tragen.“

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