Nur eine Stunde südlich von Lissabon liegt eines der wenigen unberührten Naturparadiese an der portugiesischen Küste
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Das verborgene Comporta

Nur eine Stunde südlich von Lissabon liegt eines der wenigen unberührten Naturparadiese an der portugiesischen Küste

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Idealerweise nähert man sich Comporta auf dem Wasserweg. Oft begleiten Delfine die grasgrüne Fähre, die stündlich in Setubal ablegt und sich gemächlich durch das Naturschutzgebiet des Sado-Flussdeltas schiebt. Es dauert keine 20 Minuten, dann ist die Halbinsel Troia erreicht, eine 60 Kilometer lange Sandzunge, umspült vom türkisblauen Wasser des Atlantiks.

Comporta ist ein unspektakuläres Dorf: weißgetünchte Häuschen mit kobaltblauten Tür- und Fensterrahmen. Der Largo de Sao Joao, eine kleine Straße in Küstennähe, gilt – mit Augenzwinkern - als „Downtown“ von Comporta. Hier kreuzen sich einige kaum befahrene Wege, es gibt ein paar Läden, darunter einen verblüffend gut sortiertem Zeitungskiosk. Bei Côté Sud liegen brasilianische Lenny-Niemeyer-Bikinis, Ikat-Kissen von Madeline Weinrib aus New York und zart bedruckte Baumwollschals von Leonie Sens aus Hamburg in den Regalen. Etwas weiter die Straße runter wurde eine ehemalige Lagerhalle in eine „Casa da Cultura“ für Konzerte und Kinovorführungen verwandelt. Dahinter kann man sich im „Minimercato“ mit portugiesischen Weinen, Käse aus dem Alentejo und nostalgischen Büchsen mit eingelegten Sardinen eindecken. Viel mehr ist hier nicht, und den Menschen wäre es Recht, wenn es auch so bliebe.

Herdade da Comporta

Doch wenn von Comporta gesprochen wird, ist eben nicht nur das Dorf gemeint, sondern vor allem „Herdade da Comporta“, ein 12.500 Hektar großes Stück Land am Meer mit weitläufigen Reisfeldern und Weingärten, hohen Sanddünen, dichten Pinienwäldern. Rund 3600 Bewohner verteilen sich hier auf sieben Dörfer, sie ernähren sich vor allem von Landwirtschaft und Fischerei. Die Region wird streng geschützt, nicht nur weil sie zum staatlichen Naturreservat am Sado gehört, sondern vor allem, weil sie im Besitz der Familie Espirito Santo ist, einer der mächtigsten Dynastien des Landes und Inhaber von Portugals zweitgrößter Privatbank.

„Mein Großvater Manuel Espirito Santo kaufte das Land 1955 gemeinsam einigen weiteren Familienmitgliedern“, erzählt Tiago Brito E Cunha, dem das schicke Restaurant Sal am Pego-Strand gehört, „ich habe als Kind meine Ferien hier verbracht und hänge sehr an der Gegend.“ Kein Wunder – eine so unberührte Wildnis am Meer dürfte in Südeuropa kaum ein zweites Mal zu finden sein. Selbst im August sind weite Abschnitte des goldgelben Strands fast menschenleer. Auf Strommasten und Kaminen nisten Störche, hochbeinige Reiher staksen durch die Reisfelder, im Sommer säumen provisorisch installierte Verkaufsstände mit Melonen und Tomaten den Straßenrand, am Hafen bieten lokale Fischer ihre Austern für vier Euro pro Kilo an. Wenig scheint sich hier in den vergangenen 50 Jahren geändert zu haben. Doch der Eindruck täuscht.

Behutsame Modernisierung

Neben wohlhabenden Hauptstädtern haben einige prominente Ausländer den rauen Charme und das lässige Strandleben von Comporta entdeckt. Der französische Designer Jacques Grange, Ex-Model Farida Khelfa, die Künstler Anselm Kiefer und Jason Martin sowie Schuh-Papst Christian Louboutin besitzen Häuser in der Dünenlandschaft. Sofia Coppola wurde beim Shopping in „Downtown“ gesichtet, Charlotte Casiraghi beim Baden, das Paar Sarkozy-Bruni beim Strandspaziergang bei Muda, und Kristin Scott-Thomas beim Lunch am Pego-Strand. Wer dort mittags einen Terrassentisch ergattert, sitzt zwischen gut aussehenden Menschen, vor sich einen gekonnt gegrillten Wolfsbarsch, einen Krug, voll der mit Beeren und Basilikum zubereiteten Weißwein-Sangria, und ein schier endloser Blick auf den Ozean. Abends trifft man sich in unprätentiösen Kneipen wie dem Central Vila oder dem Dona Bia zu gegrillten Sardinen, frittierten Stockfisch-Bällchen, im Knoblauchsud gedünsteten Muscheln und kühlem Sagres-Bier. Oder man geht ins Museo do Arroz, dem Epizentrum der lokalen Schickeria. Das durchgestylte Restaurant mit Lounge-Bar, Terrasse und Blick in die Reisfelder befindet sich in einer ehemaligen Reis-Verarbeitungsfabrik. Inhaber Isabel und Toze Carvalho feiern mit ihren Gästen oft bis in den frühen Morgen.

Langsam und vorsichtig werden Strukturen geschaffen, die es auch fremden Besuchern ermöglichen, in Comporta Urlaub zu machen. „Die Herdade wird immer ein landwirtschaftlicher Betrieb bleiben“, erklärt Tiago Brito E Cunha, „doch wir haben viel Platz, und es spricht nichts dagegen, einen kleinen Teil davon touristisch zu nutzen.“ Noch gibt es nur wenige Hotels. In diesem Jahr allerdings wurde das Main House in Downtown Comporta in ein schickes 15-Zimmer-Bed-&-Breakfast verwandelt: Ein wunderschönes, 1926 gleich neben der Dorfkirche errichtetes Herrenhaus, in dessen Hof mannshohe Hortensien und üppige Bouganvilleas blühen. Bislang durften hier nur Privatgäste der Familie Espirito Santo übernachten. Und die luxuriöse Aman-Gruppe will in Herdade da Comporta schon bald das Amanduna eröffnen – ein exklusives Resort mit 40 Zimmern, Spa, zwei Restaurants.

Dabei braucht es hier keine Hotels. Wer die unaufgeregte Athmosphäre von Comporta wirklich erleben möchte, mietet ein Haus. Einige der kleinen alten Fischerhütten wurden innen neu durchgestylt, anderswo kamen in traditionellem Stil errichtete Cabanas dazu. Die Inneneinrichterin Vera Iachia gehört zum Espirito-Santo-Clan, ihr Geschmack prägt den neuen Wohnstil: schlichte kleine Gebäude mit Reetdach, Wänden aus Bambus, Holz und Schilfrohr, polierten wasserblauen Betonböden und großzügigen Terrassen mit ausladenden Tagesbetten. „Ich wollte die bescheidenen Lebensformen der Region mit dem Komfort der heutigen Zeit kombinieren“, sagt Vera Iachia, die stets mit einheimischen Materialien und lokalen Handwerkern arbeitet und die bei der Einrichtung vieler Ferienhäuser in Comporta geholfen hat. Gerade hat sie den Star-Architekten Matteo Thun für ein Projekt in der Herdade gewonnen: zwölf Villen, eingebettet in Dünen und Pinienwälder, für den arglosen Passanten fast unsichtbar. Denn Comporta soll noch möglichst lange so bleiben, wie es ist: ein unspektakuläres Paradies.

Allgemeine Info: www.herdadedacomporta.pt

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